Über mein Wirken

Anmerkung von Gabriella Uno. / Über mein Wirken. / In den Siebten Himmel.


Anmerkung von Gabriella Uno.

DemaskierungsLyrik ist eine Wortschöpfung des gesellschaftskritischen Dichters Fredi  M. Uhlig. Da es für seine Schreibart keine eindeutige Bezeichnung gab, definierte er kurzerhand genau, was er tat. Sicher war, er gehört zu den Dichtern, Poeten und Ethikern, aber ... eben nicht zu jenen, von denen die Leute ein flauschiges, blumiges Wohlfühlbild im Kopf hatten.

 

Genau dieses Friede-Freude-Eierkuchenbild kollidierte bei seinen Lesungen mit der Realität. Fredi  M. Uhlig ist ein Nonkonformist und kann gar nicht anders, als zu hinterfragen. Um so wichtiger war es für den Dichter, von vornherein literarisch Klarheit zu schaffen. Und ja, er ist die Kante, an der man sich stößt. Somit reiht er sich von Natur aus in die Riege jener Schriftsteller ein, von denen  Ludwig Feuerbach einst schrieb: "Die guten Schriftsteller sind die Gewissensbisse der Menschheit."

 



Über mein Wirken

Im Umgang mit anderen Menschen hinterlassen wir immer unsere Spuren, die als Erinnerung im Innern der betreffenden Person haften bleiben, wie die Spuren im Sand, wenn wir am Strand in Wassernähe spazieren gehen. Und so, wie wir unsere Spuren bei anderen hinterlassen, haften die Spuren derer in uns, denen wir begegnen.

 

Nun kann man sich, wenn man mag, einen Strand vorstellen, der über und über mit fremden Spuren bedeckt ist. Es handelt sich nicht um irgendeinen Strand. Es ist unser Strand. Es ist der Strand, den wir, bildlich gesehen, in uns tragen. Er ist für uns von enormer Wichtigkeit, dieser Strand. Aber das hat uns bis heute niemand erzählt. Es scheint kaum jemanden zu interessieren, wie bedeutsam es ist, was an diesem unserem inneren Strand passiert und wie sehr jede einzelne fremde Spur uns von uns selbst ablenkt, entfremdet und in die Irre führt.

 

Ich bin ein Spurenleser, der die Spuren, die wir einander in uns hinterlassen, von allen Seiten betrachtet, nachempfindet und den Auswirkungen nachspürt, die sie prägend auf uns ausüben. Mit dem mir zur Verfügung stehenden Instrument der Dichtkunst hebe ich sie auf, forme sie ungeschönt in Reime und halte sie denen vor Augen, die die Spuren im Innern ihrer Mitmenschen zurückließen … einschließlich meiner Person.

 

Gerne würde ich davon berichten, wie sich meine Sinne an der Schönheit dieser Spuren erfreuen, wie jede in ihrer Einzigartigkeit hin zur inneren und äußeren Freiheit strebt und die Ketten der vorherrschenden Denk- und Lebenssysteme sprengt. Ach, wie sehnte ich mich danach Spuren zu entdecken, deren Leuchtkraft einzig unbefleckte Liebe und Wärme aus- strahlen … unantastbar, friedlich ruhend in sich selbst. Doch musste ich angesichts der bru- talen Realität, die die Menschheit selbst hervorbringt, das Sehnen, als auch das Hoffen aufgeben. Nun hoffe ich nicht mehr im Außen das zu finden, wonach ich mich innerlich sehnte. Ich begann, es in mir selbst zu entdecken.

 

Alles beginnt in uns selbst und endet auch dort. Warum also, überlassen wir Fremden unser Leben? Warum fragen wir immer wieder Fremde nach dem Wie? Warum fangen wir nicht damit an, unser Innerstes selbst zu erforschen? Die Anderen wissen nur das, was sie wiederum von anderen übernommen haben. Ungeprüft!

 

Die Autoritäten sind keine Autoritäten … es sei denn, wir machen sie dazu. Die Gurus sind keine Gurus … es sei denn, wir machen sie dazu. Ist Gott wirklich ein Gott? Oder machen wir ihn dazu?

Fotos: Olaf Pinn



In den Siebten Himmel

In den Siebten Himmel wünschten wir uns,

innerlich

und kamen noch nicht einmal bis zu den Wolken.

 

Himmelsstürmer hätten wir werden können,

innerlich,

stattdessen leben wir nur von den geistigen Krümeln,

die uns die Gestrigen vor die Füße warfen

und als Verheißung des Glücks priesen,

diese miesen …

Angstbeißer.

 

Aus der Möglichkeit,

sich empor zum Himmel zu schwingen,

machten wir ein Kämpfen und Ringen.

 

Vergängliche balgen um Vergängliches,

wie die kleinen Kinder …

denn nichts anderes sind wir,

mehr oder minder.

 

Also bleibt dieses jämmerliche Dasein

allein auf irdische Güter beschränkt,

auf einem Planeten,

der durch und durch von Blut durchtränkt …

einzig ein riesiges Schlachtfeld ist,

auf dem der Mensch vor Gier sich selber frisst.

 

Fredi  M. Uhlig